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Cover Folge 1: Hör auf mitzuschwingen

Folge 1 · 19:44 Min · Reitersitz · Level 1

Hör auf mitzuschwingen

Warum das mobile Becken deinem Pferd schadet

Der Reitersitz ist ein Prozess.
  • Jeder Fehler ist gut, weil ein Fehler bedeutet, dass du dich im Sitz weiterentwickelt hast.
  • Synchron bedeutet: Pferd und Reiter bewegen sich gleichzeitig.
  • Stattdessen lässt du dein Becken stabil und lässt die Bewegung nach oben raus.
  • Losgelassenheit kommt eh von alleine, wenn ich die Bewegungskompetenz gelernt habe.
Zur Reitersitz-Challenge Move That Ass
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Als ich den Reitersitz gelernt habe, war ich extrem frustriert. Es war eine richtig schlimme Reise für mich. Ich habe so viele Fehler gemacht, ich habe es nicht begriffen, und ich dachte, ich wäre nicht fähig, den Sitz zu lernen.

Und damit herzlich willkommen zu Dressage Secrets. Ich bin Sinah von FokusGesundesPferd. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge.

Jahrelang war ich davon überzeugt, dass ich es nicht kann, weil ich zu klein bin, zu schwach bin und zu blöd dafür bin. Nein, zu blöd dachte ich nicht, aber zu klein und zu schwach. Ich habe gegoogelt, wie groß die Grand-Prix-Reiter sind, und geschaut, ob sie alle vielleicht größer sind als ich und ich es deswegen nicht kann. So weit ist es gegangen. Und deswegen nehme ich das hier auf, um es dir ein für alle Mal nicht so schwierig zu machen wie mir.

Damit fangen wir direkt mit dem wichtigsten Learning an: Der Reitersitz ist ein Prozess. Das bedeutet, dass du auf dem Weg zum synchronen Sitz Fehler machen wirst. Extrem viele Fehler.

Was ich da draußen immer sehe: Ein Mensch macht einen Fehler im Sitz, und dann wird bei Facebook oder Instagram oder keine Ahnung wo kommentiert: „Ja, hör doch mal auf, die Schenkel so schlackern zu lassen, das sieht kacke aus, du kannst gar nicht sitzen, du machst das und das falsch.“ Und jedes Mal denke ich mir: „Ach, haha, ihr habt den Sitz einfach nicht verstanden.“ Wenn ihr ihn verstanden hättet, wüsstet ihr, dass das der normale Prozess ist und dass es auf dem Weg zum synchronen Sitz eben so aussieht.

Das heißt, die Fehler, die deinem Körper einfallen, sind gut. Freu dich über jeden Fehler, den du machst. Ich weiß, ich habe mich früher nie gefreut. Ich war so abgefuckt von meinen schlackernden Schenkeln. Aber mir wurde immer gesagt: „Hey, das ist der Prozess, warte mal ab, in ein paar Jahren oder ein paar Monaten wird das schon wieder ganz anders sein.“ Und irgendwann habe ich verstanden: Jeder Fehler ist gut, weil ein Fehler bedeutet, dass du dich im Sitz weiterentwickelt hast. Wenn du keine Fehler machen würdest, würdest du dich auch nicht weiterentwickeln. Ein neuer Fehler ist also immer super. Damit können wir arbeiten.

Und es ist so wichtig, die Fehler zu erkennen und nicht direkt wieder zu sagen: „Ah nee, dann mache ich wieder alles anders“, sondern mit den Fehlern zu arbeiten und manche Fehler einfach auszuhalten. Zum Beispiel den schlackernden Schenkel: Wenn der aus einem ganz langen Bein entsteht, müssen wir ihn einfach aushalten.

Auf meiner schwierigen Reise zum Reitersitz habe ich verstanden, welche Prozesse es auf dem Weg gibt. Denn ich habe jeden Lernschritt für mich aufgeschrieben, weil ich genau wissen wollte, wie es geht, weil es so schwer für mich war. Und genau das habe ich jetzt unzählige Male mit meinen Kunden umgesetzt, und es zeigt sich so geil, dass der Prozess das Wichtigste ist und dass du dem Prozess vertraust.

Und deswegen stelle ich dir ein System vor, in das du dich einmal einordnen darfst. Wenn du den synchronen Reitersitz lernen willst, erzähle ich dir jetzt, wie die Schritte dahin aussehen. Damit du nicht wie ich so blöd dastehen musst und denkst: „Gott, wann lerne ich es endlich? Wie lange dauert es noch? Was muss ich noch alles verstehen? Was muss ich noch alles ausprobieren?“ Den Lernprozess kann ich dir nicht abnehmen, aber diese ganzen Zweifel kann ich dir abnehmen.

Das Witzige ist: So wie der Reitersitz da draußen erklärt wird, mit „Na ja, schwing halt mit“, „Lass dich vom Pferd bewegen“ und so weiter, das ist quasi der Startpunkt, an dem ich überhaupt erst anfange, den Reitersitz zu erklären. Warum? Weil das die Grundlage ist: dass ein Mensch draufsitzen kann, irgendwie mitschwingt und irgendwie locker in der Hüfte sein kann. Das ist das Einfachste auf der Welt. Einfach oben draufsitzen und sich vom Pferd bewegen lassen, pipapo, und was es da draußen alles für Tipps gibt. Da fängt unsere gemeinsame Reise an.

Das heißt, ich arbeite nicht mit Anfängern, sondern mit Dressurreiterinnen, ambitionierten Freizeitreitern und Experten, die schon einfach sitzen können, die aber nicht wissen, wie sie sich mit ihrem Pferd synchronisieren können. Damit ihr Pferd wirklich richtig gesund unter ihnen läuft und die Lektionen einfach funktionieren, ohne dass sie sich Sorgen machen müssen, dass es wieder ausfällt, umspringt, falsch anspringt oder den Takt nicht hält.

Und das, woran sie alle arbeiten, wo sie alle unbedingt hinwollen, was sie aber irgendwie nicht schaffen, zum Beispiel Losgelassenheit oder eine positive Körperspannung, das ist witzigerweise fast das Ende der synchronen Reitersitzreise. Wenn ich dir den Reitersitz erkläre, ist das das Endergebnis.

Denn es gibt nichts Schwierigeres als den Reitersitz. Das kann ich dir jetzt schon sagen: Der Reitersitz ist arschschwer. Er ist nicht leicht. Und wenn du weiter lernen willst, dass das Becken mobil sein muss, dass du dich vom Pferd bewegen lassen sollst und mitschwingen musst, dann ist das einfach nur die einfache Reise zu irgendeinem Sitz, der dem Pferd im Endeffekt leider schadet, weil er den Rücken und die Vorhand extrem belastet. Dazu habe ich auch ein Video. Es ist auf meiner Website auf der Startseite relativ weit unten zu finden. Da kannst du gerne mal reinschauen.

Das heißt, Losgelassenheit und eine positive Körperspannung im Reitersitz zu bekommen, ist mega schwer. Warum? Was ist Losgelassenheit eigentlich? Wir reden ständig drumherum, aber was ist es eigentlich? Und was ist eigentlich der synchrone Sitz? Dazu kommen wir auch noch. Ich erkläre es dir so, dass du sofort denkst: „Oh mein Gott, crazy, jetzt habe ich endlich verstanden, was es ist.“

Ich bin mir sicher, dass alle denken, Losgelassenheit ist: Das Pferd soll sich entspannen, es soll atmen, der Schweif soll pendeln, es soll alles irgendwie easy peasy, toll und schön aussehen. Nein, das ist Losgelassenheit nicht.

Aber guck mal, wenn du eine Yoga-Übung machst. Ein mega komplizierter Handstand, den du vielleicht nicht kannst, oder bestimmt kannst du Handstand. Nehmen wir: Es gibt so eine ganz wilde Yoga-Position, die ich jedenfalls überhaupt nicht konnte. So ein einbeiniger Stand, dann musst du von hinten noch den Arm rumgreifen und dich noch beugen, völlig crazy. Wie soll ich denn in so einer mega crazy schwierigen Yoga-Position, die ich nicht kann, dann auch noch losgelassen dastehen? Geht gar nicht. Warum geht es nicht? Weil ich diese Position überhaupt nicht einnehmen kann, nicht halten kann, nicht drinstehen kann, mir tut alles weh, es ist voll schwer, ich komme gar nicht erst rein.

Das heißt, ich kann erst losgelassen sein, wenn ich weiß, wie diese Übung geht. Wenn mein Körper weiß, wie sie geht, wenn die Muskeln wissen, wie es geht, wenn mein ganzer Körper das „einfach so“ umsetzen kann. Dann kann ich auch losgelassen in dieser Yoga-Position stehen, aber vorher nicht.

Beim Pferd ist es genau das Gleiche. Erst wenn dein Pferd zum Beispiel die Seitengänge korrekt und gesund umsetzen kann, kann es sie auch in Losgelassenheit gehen. Das ist so, als würdest du zum ersten Mal 10 Kilometer oder zum ersten Mal einen Marathon laufen. Das ist arschanstrengend, und du kotzt richtig ab. So wäre es für mich, wenn ich einen Marathon laufen müsste. Den kannst du nicht einfach so. Aber wenn du drei Marathoni, oder wie sagt man, Marathons? Keine Ahnung. Wenn du drei hintereinander laufen kannst, dann ist der erste easy peasy machbar. Den kannst du losgelassen laufen, weil das für dich normal ist. Das ist Losgelassenheit.

Die kriegst du im Sitz also erst ganz am Ende, kurz bevor du wirklich synchron mit deinem Pferd bist. Das ist heute noch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist erstmal, die ganzen anderen Steps durchzugehen, um den Sitz synchron zu gestalten.

Und dann kommen wir zum Punkt Synchronität. Was ist das eigentlich? Stell dir mal deinen Lieblingsdressurreiter vor. Es muss kein Grand-Prix-Reiter sein, irgendwen. Stell dir einfach irgendwen vor, den du toll findest, der hoch reiten kann, der einen geilen Sitz hat, von dem du echt begeistert bist. Dieser Sitz, das ist der synchrone Reitersitz.

Synchron bedeutet: Pferd und Reiter bewegen sich gleichzeitig. Es bedeutet aber auch, dass der Reiter jeden einzelnen Tritt selbst initiiert. Ich sage dem Pferd: „Jetzt hoch, jetzt oben bleiben, jetzt runter, jetzt landen, jetzt wieder hoch.“ Das sage ich meinem Pferd in jedem Schritt und in jedem Tritt. Ich bestimme die Bewegung, damit sie gesund sein kann. Denn wenn das Pferd bestimmen würde, würde es in seinem natürlichen Bewegungsmuster bleiben, und das ist nicht fürs Reitpferd gemacht, also auf der Vorhand und ungesund. Deswegen bestimme ich.

Und wenn ich bestimme und wir dann synchron werden, muss sich das Pferd natürlich auch gesund bewegen. Die Bedingung ist also: Das Pferd bewegt sich gesund, wir bewegen uns gleichzeitig, und mein Sitz passt zur Pferdebewegung. Und zwar nicht mit einem mobilen Becken, das irgendwo schwingt und irgendwie locker ist.

Wie gesagt, Losgelassenheit haben wir am Ende des Tages irgendwann, aber nicht, während ich es lerne. Ganz, ganz wichtiger Punkt. Wenn ich den synchronen Reitersitz lerne, quasi den Grand-Prix-Sitz, bin ich nicht losgelassen, nicht entspannt und habe auch keine positive Körperspannung. Weil ich es einfach nicht hinkriege, weil mein Körper nicht macht, was ich will, und weil es mega, mega schwierig ist.

Das ist so ein wichtiger Punkt, den ich in der Reiterwelt vermisse und den ich dir mitgeben möchte. Damit du wirklich erkennst: Okay, ich muss jetzt noch nicht an Losgelassenheit arbeiten. Losgelassenheit kommt eh von alleine, wenn ich die Bewegungskompetenz gelernt habe. Okay, geil, Haken hinter die Losgelassenheit, schon mal easy peasy.

Und als Nächstes: Ich muss mich gar nicht anstrengen, keine Fehler zu machen, sondern ich kann mich über Fehler freuen. Denn jeder Fehler ist ein Schritt nach vorne und positiv für mich. Nur weil ich einen Fehler mache, bin ich nicht schlecht, sondern ich bin auf dem Weg. Und das ist gut. Wir wollen Fehler, und wir wollen Schritt für Schritt immer weitergehen.

Und es werden auch Verspannungen in deinem Sitz kommen. Du wirst merken: „Boah, krass, auf einmal rutsche ich ins Hohlkreuz.“ Ich hatte mal eine Kundin auf einer Messe, mit der habe ich auf einem Reitersitzsimulator gearbeitet. Ich bringe ja immer meinen mechanischen Reitersitzsimulator mit, den du selbst bewegen musst, was super geil ist. Weil du die Bewegung selbst kreierst und initiierst und ihr dann über Federn zusammen schwingt. Super geniales Tool.

Und falls du mich auf der Passion Pferd jetzt im Dezember besuchen willst, komm gerne vorbei, da bin ich mit meinem Reitersitzsimulator. Die ist im Dezember, ich glaube, um den 5. Dezember rum, irgendwie so. Genau, in Hannover.

Diese Kundin auf der Messe hat dann gesagt: „Oh, jetzt rutsche ich auf einmal voll ins Hohlkreuz, wenn ich anfange, den Sitz neu und anders zu lernen.“ Und ich meinte: „Ja, kein Problem. Das ist ganz normal. Das ist völlig okay.“ Die meisten Menschen sagen an diesem Punkt: „Nee, ich will nicht ins Hohlkreuz rutschen, ich mache das lieber nicht, ich mache es jetzt wieder anders. Ich lasse jetzt wieder mein Becken mobil, es soll sich bewegen und locker sein, und dann ist alles locker.“

Aber wir erinnern uns: Der synchrone Reitersitz ist nicht leicht zu lernen, er ist arschanstrengend. Deswegen wirst du dich verspannen, du wirst vielleicht ins Hohlkreuz rutschen. Habe ich auch gemacht. Das kriegt man aber relativ schnell wieder raus.

Der Vorteil ist also: Wenn du weitergehst, drinbleibst und durch eine Verspannung durchgehst, kannst du sie irgendwann in eine Bewegungskompetenz umwandeln. Dann ist die Verspannung nichts Schwieriges mehr für dich, weil sie eine natürliche Bewegung geworden ist. Sie ist keine Verspannung mehr, sondern hat sich in positive Körperspannung umgewandelt. Und genau das ist der wichtigste Punkt.

Und ich möchte dir jetzt mein Reitersitz-Level-System vorstellen. Es ist daraus entstanden, wie ich meinen Sitz gelernt habe: Ich habe jeden einzelnen Schritt mitnotiert, als ich verstanden habe, wie mein Körper sich auf dem Pferd bewegen muss. Da darfst du dich gerne mal einsortieren. Und ich habe für jeden Schritt einen Tipp, wie du von da aus die Stufen weiter hochklettern kannst bis zum synchronen Reitersitz.

Fangen wir also ganz unten an. Die erste Stufe ist die, auf der sich die meisten Trainer und Reiter da draußen befinden: Ich habe irgendwie ein lockeres Becken, ich versuche mitzuschwingen, und irgendwie klappt es nicht. Mein Pferd bewegt sich nicht gesund. Vor allem die Rückenmuskulatur baut sich nicht auf. Es nutzt die Hinterhand nicht so richtig, und es hebt die Vorhand nicht so richtig an. Das zeigt natürlich auch etwas im Pferd. Denn dieses mobile Becken, das mitschwingt, belastet den Rücken sehr stark und schiebt die Last immer auf die Vorhand. Wie gesagt, dazu habe ich ein Video auf meiner Website, wenn du es genauer wissen willst. Und dadurch kann das Pferd keine Muskulatur aufbauen.

Und das ist das erste Level. Da fangen wir an auf unserer synchronen Reitersitzreise. Denn von da aus gilt es erstmal zu verstehen, wo der Weg überhaupt hingehen soll.

Und das ist jetzt schon dein erster Tipp: Versuch mal, die Bewegung nicht mit einem lockeren Becken umzuwandeln, indem du im Becken wackelst, sondern indem du den ganzen Körper mit hochnimmst. Dein Pferd ist natürlich schwerer als du und bewegt dich über seine Masse. Aber du gibst die Initiierung der Bewegung, ganz wichtig. Damit bewegst du das Pferd, und dann bewegt es dich wieder. Mit dem mobilen Becken wandeln wir diese Bewegung in eine schwingende, bewegliche Beckenbewegung um, und damit schieben wir sie immer auf die Vorhand. Die Bewegung, die vom Pferd kommt, schieben wir so in die Vorhand rein.

Stattdessen lässt du dein Becken stabil und lässt die Bewegung nach oben raus. Denn das wollen wir doch: Wir wollen, dass das Pferd den Rücken aufwölbt. Wir wollen, dass es sich kadenziert bewegt. Wir wollen, dass es mehr nach oben kommt. Die Schwerkraft bringt es ja von alleine nach unten. Damit es nicht auf der Vorhand ist, sondern die Vorhand anheben kann, muss es vorne überall nach oben kommen. Und das initiierst du mit deinem Sitz. Dein Sitz soll nach oben.

Ich weiß, das ist mega schwer umzusetzen. Es kann passieren, dass du plumpst und das Gefühl hast: „Gott, ich rumpel dir jetzt richtig in den Rücken rein.“ Leider musst du den Sitz einfach lernen und dabei ein paar Fehler machen, und dein Pferd hält das auf jeden Fall aus. Mach dir also nicht zu große Sorgen. Vielleicht plumpst du in den Sattel, oder du denkst dir: „Boah, ich bin jetzt auf einmal so steif.“ Das ist auch okay, das hört wieder auf, das ist nur jetzt das Gefühl. Oder du denkst dir: „Oh Gott, ich habe das Gefühl, es reißt mich jetzt aus dem Sattel, ich fliege gleich raus.“ Das sind alles Dinge, die okay sind.

Das Wichtigste ist, dass du lernst, deine Beine anzusteuern. Denn dein hinterer und dein innerer Oberschenkelmuskel sind die wichtigsten Muskeln zu Beginn deiner Reise zum synchronen Reitersitz. Das sind die wichtigsten Muskeln, die du lernst anzusteuern. Über sie kannst du dich irgendwann abfangen, über sie leitest du die Bewegung nach oben und fängst die Bewegung nach unten wieder ab. Das sind die wichtigsten Muskeln, um den Reitersitz wirklich synchron zu gestalten.

Die darfst du als Allererstes ganz extrem trainieren, indem du diesen Sitz ausprobierst, aushältst, drinbleibst und weiter übst und weiter übst und weiter übst und weiter übst. Bis du diese Muskeln spürst und merkst: „Ah, jetzt werden sie angesteuert, ah, geil.“ Damit schaffst du eine Erinnerung für deinen Körper, dass das die Bewegungskompetenz ist, die wir als Erstes lernen wollen: die Ansteuerung dieser Muskeln. Sie sind nämlich der allererste Schritt in einen synchronen Reitersitz.

Das ist jetzt das erste Level. Wenn du die anderen Level auch noch kennenlernen möchtest und vor allem wissen möchtest, was du tun kannst, um aufs nächste Level zu kommen, und wie viel Zeit du für das jeweilige Level ungefähr einplanen musst, dann komm in meine Reitersitz-Challenge „Move That Ass“.

Cover Folge 2: Losgelassenheit ist nicht dein Ziel

Folge 2 · 28:24 Min · Physisch oder psychisch?

Losgelassenheit ist nicht dein Ziel

Warum gesunde Bewegung zuerst kommt

Losgelassenheit ist das Ergebnis einer Fähigkeit.
  • Losgelassenheit hat nichts mit Entspannung zu tun.
  • Die meisten Pferde laufen beim Vorwärts-Abwärts einfach die ganze Zeit auf der Vorhand.
  • Die Grundlage für Losgelassenheit ist erstmal überhaupt eine gesunde Bewegung.
  • Vergleiche dein Pferd immer nur mit deinem Pferd von vor zwei Wochen.
Transkript lesen

Physische oder psychische Losgelassenheit? Womit fangen wir eigentlich an? Was ist der Ursprung von allem? Und wie kann ich mein Pferd überhaupt zur Losgelassenheit bringen? Genau darum soll es heute gehen.

Denn in der Reiterwelt gibt es ja häufig die Meinung, dass das Pferd erst im Kopf entspannt sein muss, damit es dann den Körper loslassen kann. Oder andersrum: Der Körper muss entspannt sein, damit dann auch der Kopf entspannt und losgelassen sein kann. Und hier kommt schon das erste Problem, denn Losgelassenheit hat nichts mit Entspannung zu tun. Aber mehr dazu später.

Wo fangen wir an? Körperlich oder psychisch? Diese Entscheidung ist eine ganz wichtige Entscheidung, aber die Antwort ist immer wieder eine andere. Denn jedes Pferd braucht, genauso wie bei allen anderen Themen auch, einen individuellen Weg.

Und damit herzlich willkommen zu Dressage Secrets. Ich bin Sinah von FokusGesundesPferd. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge.

Es gibt Pferde, die davon profitieren, wenn wir uns erst um ihre Psyche kümmern. Das sind aber meiner Meinung nach die wenigsten. Und genau hier setzt das an, wovon ich überzeugt bin. Dazu erzähle ich dir eine kurze Geschichte von mir.

Ich habe mal Therapie gemacht, weil ich es einfach ausprobieren wollte, um meine Themen zu bearbeiten. Und jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, war ich nur noch verzweifelter und, in Anführungszeichen, noch zerstörter. Ich konnte irgendwie nichts davon mitnehmen. Vielleicht war es auch die falsche Person. Aber an dem Tag, an dem ich anfing, meinen Körper mitzunehmen, durch Breathwork – vielleicht hat der eine oder andere schon mal davon gehört, ich kann jedem nur ans Herz legen, seine Traumata mit Breathwork zu bearbeiten – hat sich auf einmal alles gelöst. Meine ganzen Themen. Natürlich nicht sofort. Aber es war so beeindruckend, weil bei dieser Breathwork-Methode nicht einfach nur der Kopf mitgenommen wird, sondern der ganze Körper.

Bei dieser speziellen Art von Breathwork, die ich gemacht habe, ging es wirklich um körperliche Beteiligung, um Bewegung, darum, dadurch Trigger auszulösen und auch seine Grenzerfahrung zu machen. Zu wissen: Ich bin stärker als das, ich kann mehr als das. Und da habe ich verstanden, wie es für mich ist: Ich kann nur über meinen Körper auch meinen Kopf bearbeiten. Andersrum funktioniert es nicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass das für viele, viele von euch auch so sein wird, wenn ihr diese Erfahrung macht.

Und deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass das bei den Pferden auch so ist. Das ist auch meine Erfahrung mit meinen Kunden: Wenn sie körperlich mit ihrem Pferd arbeiten und gesunde Bewegung integrieren, kommt die Psyche ganz von alleine. Auf einmal sind die Pferde der Herdenchef. Total geil, die sind auf einmal Chef in der Herde, und vorher waren sie es nicht. Oder sie koppen nicht mehr, auch ein super wichtiger Punkt. Oder sie schnappen nicht mehr. Vorher haben sie die Besitzerin immer so leicht gebissen, und das tun sie jetzt nicht mehr. Das ist so, so genial und zeigt einfach: Losgelassenheit entsteht dann, wenn gesunde Bewegung möglich ist.

Du stehst da, hast verschiedene Trainer ausprobiert. Du hast verschiedene Übungen gemacht. Du hast dich wirklich an alle Tipps gehalten, die da draußen auf Instagram herrschen. Du hast sogar immer wieder mit dem Tierarzt und mit den Osteopathen alles abklären lassen, und das ist schon so eine Routine. Der Osteopath kommt regelmäßig, aber es ist wie ein Teufelskreis. Und du weißt, da ist irgendwas, was du anscheinend nicht richtig machst, aber wo zur Hölle sollst du anfangen?

Ganz ehrlich, in der Reiterwelt gibt es tausend Meinungen. Der eine sagt hü, der andere sagt hott. Gerade letztens hat mir wieder eine aus meiner Community geschrieben: „Ich habe zwei Pferde mit Knie-OP, und wie soll ich die jetzt antrainieren? Die einen sagen mir, mach auf jeden Fall Seitengänge, die anderen sagen mir, Seitengänge sind tödlich.“ Ja. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, das ist das Problem der Reiterwelt: dass die Leute sich komplett widersprechen. Auch im Bereich Losgelassenheit.

So, ich werde dir jetzt in dieser Folge zeigen, was Losgelassenheit eigentlich wirklich ist, sodass du es auch am Pferd anwenden kannst, und wie du deinem Pferd dann Losgelassenheit antrainieren kannst. Denn das ist der allerwichtigste Punkt. Es geht nicht darum, dass du noch mehr Bücher liest oder noch mehr Ausbildungen machst, sondern darum, dass du es jetzt verdammt noch mal endlich am Pferd siehst, erkennst und anwenden kannst. Und das ist genau der springende Punkt.

Fangen wir erstmal damit an, wie Losgelassenheit in der Reiterwelt erläutert wird. Meistens wird gesagt: Wenn der Schweif pendelt, das Pferd im Trab irgendwie entspannt aussieht und irgendwie einen Takt hat, dann ist es losgelassen. Hauptsache, es ist nicht gestresst, Hauptsache, es hat nicht zu viel Spannung, Hauptsache, es sieht nicht zu anstrengend aus, was das Pferd gerade macht.

Und jetzt frage ich mal so richtig provokant in die Runde: Wenn du für einen Marathon trainierst und vorher noch nie einen Marathon gemacht hast, wie ist das denn für dich, wenn du das erste Mal einen 10-Kilometer-Lauf machst? Ist das so easy peasy, ja geil, ich habe voll Bock drauf und es ist alles voll einfach? Wahrscheinlich nicht. Bei mir ist es jedenfalls nicht so. Und ich würde auch niemals einen Marathon laufen, mal ganz davon abgesehen.

Aber das wird ja so suggeriert, oder? Die Pferde sollen alle easy peasy entspannt laufen. Aber die Pferde machen doch auch Sport. Und unsere Pferde müssen doch auch Dinge neu lernen. Wann ist denn der 10-Kilometer-Lauf total einfach für dich? Dann, wenn du einen Marathon mega easy laufen kannst. Dann ist der 10-Kilometer-Lauf ja nix. Das ist lächerlich für dich. Dann kannst du auch entspannt und locker langlaufen. Aber was davor passiert ist: Dein Körper hat die Fähigkeit, schon viel mehr zu leisten als diese 10 Kilometer. Also schon 42 Kilometer, oder wie viel ein Marathon auch immer ist, laufen zu können und auch ein gewisses Tempo halten zu können. Mal ganz davon abgesehen, dass wir natürlich auch gute und schlechte Tage haben. Aber das ist so ein wichtiger Punkt zu verstehen.

Guckt euch mal die Begriffe in der Reiterwelt an und schaut erstmal beim Menschen: Ist das bei uns Menschen auch so? Und wenn das völliger Bullshit ist, dann sollten wir vielleicht mal drüber nachdenken.

Es gibt viele tolle Bücher, die Losgelassenheit sehr toll erklären. Aber was mir immer fehlt, ist: Wie kann ich das denn jetzt beim Pferd machen? Wie kann ich das sehen? Wie kann ich das aufbauen? Wie kann ich das kreieren?

Denn sagen wir mal, okay, dein Pferd ist jetzt ein Sportler und kann quasi den Marathon laufen, und beim 10-Kilometer-Lauf ist es sozusagen entspannt, wenn wir das jetzt mal vergleichen. Aber was, wenn es währenddessen die ganze Zeit auf die Vorhand fällt? Kann das Pferd dann losgelassen sein? Nein. Das heißt, Losgelassenheit setzt voraus, dass die Bewegung überhaupt gesund ist.

Und jetzt kommen wir zum wichtigen Punkt. Weißt du, was die meisten Leute für Losgelassenheit machen? Weißt du ganz sicher: Vorwärts-Abwärts. So, jetzt machen sie alle Vorwärts-Abwärts, um Losgelassenheit zu trainieren, um Takt zu trainieren. Und die meisten Pferde laufen beim Vorwärts-Abwärts einfach die ganze Zeit auf der Vorhand. Die ganze Zeit. Und dann ist das die Aufwärmphase, in der die Pferde Takt lernen sollen, in der sie Losgelassenheit lernen sollen. Und sie laufen die ganze Zeit auf der Vorhand. Und was bringt das? Nichts. Nada. Nix.

Und das ist so wichtig zu verstehen: Die Grundlage für Losgelassenheit ist erstmal überhaupt eine gesunde Bewegung. Und ja, natürlich müssen wir jetzt ganz genau schauen, auf welchem Level, auf welchem Ausbildungsstand sich dein Pferd gerade bewegt. Denn natürlich kann ich eine gesunde Bewegung nur so weit vom Pferd fordern, wie es auch ausgebildet ist. Ein junges Pferd, das sogar noch überbaut ist, wird sich natürlich niemals so gesund bewegen können wie ein top gesund ausgebildetes S-Dressurpferd, das super gesund ist und schon richtig aufgerichtet dasteht, allein wenn es nur steht. Das ist klar. Das heißt, wir müssen natürlich auch auf das Niveau des Pferdes achten.

Aber eine Sache ist immer wichtig: Wenn mein Pferd dauerhaft auf der Vorhand trabt und ich es davon nicht wegkriege, egal was ich tue, dann sollte ich es nicht reiten, sondern absteigen. Dann sollte ich vom Boden erstmal gesunde Bewegung integrieren, bevor ich überhaupt irgendwelche Aufgaben, Übungen oder Lektionen, was auch immer, von meinem Pferd fordere. Bevor ich überhaupt das Vorwärts-Abwärts fordere. Bevor ich will, dass mein Pferd sich losgelassen bewegt. Denn die Grundlage ist die gesunde Bewegung.

Und das ist jetzt ein wirklich wichtiger Punkt aus diesen letzten Minuten, und ich fasse das deswegen noch mal zusammen, weil es in der Reiterwelt so wichtig ist. Die übliche Vorstellung von Losgelassenheit ist, dass wir Losgelassenheit im Pferd kreieren und das Pferd entspannt sein soll. Aber eine korrekte Vorstellung von Losgelassenheit ist nicht, dass Losgelassenheit der Startpunkt ist. Nachdem ich den Takt kreiert habe, kann ich dann einfach Losgelassenheit kreieren? Nein. Losgelassenheit ist das Ergebnis einer Fähigkeit. Und zwar der Fähigkeit, dass das Pferd schon deutlich mehr kann als das, was ich gerade von ihm abverlange.

Also noch mal das Laufbeispiel: Das Pferd oder der Mensch kann schon 42 Kilometer laufen, deswegen sind die 10 Kilometer locker easy machbar. Das heißt, das Pferd kann schon viel höhere Anforderungen leisten, und deswegen geht es das, was ich jetzt von ihm fordere, in Losgelassenheit. Und das ist der springende Punkt. Super geil. Ich liebe es.

Und wenn du dich jetzt fragst: „Hey, okay, mega geile Erkenntnis schon mal, aber wie erkenne ich denn jetzt, dass dieses Vorwärts-Abwärts zu stark auf der Vorhand ist, mein Pferd davon überhaupt nicht profitiert und ich es lassen und wirklich lieber absteigen sollte? Wie erkenne ich, dass das Pferd wirklich auf der Vorhand ist?“ Das ist in so einem Podcast-Audioformat natürlich ein bisschen schwieriger zu zeigen, aber ich werde genau das als Titelbild einfügen. Schau dir das Titelbild an, da kannst du sehen, woran du erkennst, ob dein Pferd auf der Vorhand ist oder nicht.

Ich zeichne immer eine Linie ins Pferd. Und wenn ich ganz viel Platz unter der Linie habe, wenn also ganz viel Brustkorb, die Vorhand des Pferdes, noch unter der Linie ist, dann weiß ich, dass mein Pferd in dieser Bewegung gerade auf jeden Fall vorhandlastig ist. Und dann kannst du entscheiden.

Die Frage ist natürlich auch immer: Was ist der eigentliche Effekt von dem, was du gerade von deinem Pferd willst? Vielleicht nimmst du sogar in Kauf, dass dein Pferd gerade auf der Vorhand läuft, weil du ihm etwas ganz anderes beibringen möchtest. Und dafür muss es auf der Vorhand laufen, weil es es einfach noch nicht anders kann.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Stell dir vor, wir haben ein Pferd, das sich jetzt auf der Vorhand bewegt, weil es einfach noch nicht anders kann. Dem wollen wir aber beibringen, die Mittelhand, also den Rücken, zu stabilisieren. Denn dieses Pferd bricht die Bewegung immer in der Mitte des Körpers ab. Es kann den Fluss von hinten nicht durch die Mitte leiten, sondern da bricht es ab, und dann rutscht es auf die Vorhand.

Wir wollen dem Pferd also beibringen, dass es die Mittelhand stabilisieren kann. Und dafür nehmen wir zum Beispiel in Kauf, dass es erst einmal auf der Vorhand läuft. Nur für jetzt. Weil wir wissen, dass wir bei diesem Pferd zum Beispiel im Vorwärts-Abwärts davon profitieren können, dass es sich stärker im Rücken stabilisiert und die Hinterhand besser aktivieren kann. Nur die Vorhand wird stärker belastet. Dann nehmen wir in diesem Moment in Kauf, dass die Vorhand stärker belastet wird. Denn wir wollen dem Pferd gerade einfach nur beibringen, wie es den Rücken stabilisiert, damit der Schub von hinten irgendwann nach vorne oben weitergeleitet werden kann und nicht immer in der Mitte abbricht und deswegen nach unten geleitet wird.

Das ist ein schönes Beispiel, und davon gibt es so viele Pferde, bei denen wir eine Bewegung in Kauf nehmen, die schlecht oder sogar schlechter als vorher ist, und bei denen wir dem Pferd dafür vorher etwas anderes, Gutes und Wichtiges beibringen. Weil die Mittelhand für dieses Pferd jetzt beispielsweise der größte Hebel ist, um die ganze Bewegung zu verbessern. Die Mittelhand ist der größte Hebel, deswegen entscheide ich mich bei diesem Pferd speziell, zuerst die Mittelhand zu bearbeiten. Es gibt aber auch Pferde, bei denen ich zuerst die Hinterhand oder zuerst die Vorhand oder was auch immer bearbeiten muss. Das kommt echt super stark aufs Pferd an.

Hier könnten wir also den größten Hebel nutzen und die Mittelhand stabilisieren. Währenddessen läuft das Pferd eben immer noch auf der Vorhand. Aber wenn die Mittelhand erstmal stabilisiert ist, können wir dem Pferd beibringen, die Vorhand anzuheben, und dann haben wir die Mittelhand schon stabilisiert.

Stell dir mal vor, wir hätten die Mittelhand bei diesem Pferd nicht stabilisiert. Dann würde die Mittelhand immer einbrechen. Dann hätten wir so einen durchhängenden Rücken, wie wir das bei vielen Pferden sehen. Und jetzt würden wir aber erst anfangen, die Vorhand anzuheben. Dann hätten wir als Resultat ein Pferd, das hinten schiebt, in der Mitte abbricht und sich vorne aber anheben kann. Dann haben wir sozusagen das typische Kissing-Spines-Pferd, bei dem der Rücken einfach runterhängt und hinten und vorne irgendwie nach oben steht.

Vielleicht verstehst du langsam, dass es super viele Entscheidungen braucht, um durch diesen Prozess gehen zu können. Aber hier in diesem Podcast ist es meine Aufgabe, das zu vereinfachen, und das machen wir jetzt.

Für Losgelassenheit brauchen wir also eine gesunde Bewegung. Und für eine gesunde Bewegung brauchen wir den größten Hebel, der für dein Pferd aktuell wichtig ist, um die Bewegung gesünder zu gestalten. Denn genau darum geht es. Wenn wir Losgelassenheit trainieren wollen, brauchen wir die gesunde Bewegung. Und um das zu tun, müssen wir entscheiden können, was für unser Pferd jetzt der größte Hebel ist. Und das kannst du jetzt einmal ganz genau prüfen.

Der erste Schritt ist zu erkennen: Ist dein Pferd vorhandlastig? Und wenn ja, wann? In welchen Bewegungen? Ist es immer, ist es in den Wendungen, ist es bei einer bestimmten Lektion? Wann wird es mehr und wann wird es weniger? Das prüfst du als Allererstes.

Als Zweites prüfst du die Rückenbewegung. Bricht die Bewegung im Rücken ab? Ist es so ein durchhängender Rücken? Ist es ein richtig instabiler Rücken, der immer nach unten schwingt und einfach keine Stabilität bringt? Stell dir mal vor, du willst dich da ja draufsetzen. Wir brauchen einen Rücken, der das halten kann. Du willst ja auch nicht im Hohlkreuz sein und dann noch irgendeine Last tragen müssen. Ja, du stehst nicht auf vier Beinen, aber du kannst dir vielleicht vorstellen, wie ich das meine. Wir brauchen eine stabile Mitte. Eine Mitte, die wirklich das tragen kann, was draufsitzt, damit das Pferd sich gesund bewegen kann. Du prüfst also, ob die Mittelhand stabil sein kann.

Als Nächstes prüfst du, ob die Hinterhand aktiviert werden kann. Bei der Hinterhand wird es immer am komplexesten. Dazu machen wir noch mal eine ganze Folge, das ist super interessant. Die Hinterhand eines Pferdes kann verschiedene Dinge machen, die gesund aussehen, es aber eigentlich nicht sind. Und sie kann viele Dinge machen, die ungesund sind. Wichtig ist: Die Hinterhand sollte auf jeden Fall gesund schieben und gesund tragen können. Wir brauchen in der Hinterhand immer eine Kombination aus Schubkraft und Tragkraft. Wenn du noch nicht weißt, wie du die Hinterhand prüfen kannst, hör dir die Podcastfolge dazu noch mal an. Aber schau: Wie bewegt sich die Hinterhand? Ist es gesund oder nicht?

Und jetzt hast du dein Pferd schon mal analysiert. Du hast herausgefunden, wo es Thematiken gibt, bei welchen Übungen, in welchen Lektionen oder in welchen speziellen Bewegungen. Jetzt hast du die Thematiken, und jetzt braucht es deine Entscheidung: Wo ist der größte Hebel? Diese Entscheidung kann ich dir nicht abnehmen, nicht in diesem Podcast.

Das bedeutet: Wenn du eine Sache veränderst, wo verändern sich dann sogar noch ein, zwei, drei andere Dinge im Pferd? Wenn du jetzt beispielsweise die Vorhand anhebst und stabilisierst, verändert sich dann sogar der Rücken, die Hinterhand oder irgendwas anderes, das für dich jetzt wichtig ist? Wenn du eine Sache veränderst, soll das mindestens eine andere Sache auch noch positiv verändern. Dann ist das schon mal ein guter Hebel. Im besten Fall verändert es sogar mehrere Sachen, dann ist es ein sehr guter Hebel, den du nutzen kannst.

Jetzt kommen wir zu den wichtigsten Fehlern, denn Fehler bei dieser Entscheidung können große Auswirkungen haben. Wenn du dich dafür entscheidest, zuallererst die Vorhand zu bearbeiten, können große Fehler entstehen. Meistens schafft es das Pferd dann nur, die Vorhand zu stabilisieren. Denn wenn ich die Vorhand zuerst bearbeite, aber der Rücken und die Hinterhand noch nicht richtig mitarbeiten, dann kann ich die Vorhand nicht anheben. Komplett alleine, ohne dass der restliche Körper mitmacht, funktioniert es nicht, die Vorhand anzuheben. Aber ich kann sie stabilisieren, sodass sie nicht mehr so stark einsinkt. Das kann ich hinbekommen.

Wenn ich das aber zuallererst mache und die Mittelhand und die Hinterhand noch nicht richtig funktionieren, kann ich in eine schwierige Situation geraten. Diese Pferde nenne ich die tiefergelegten Sportwagen. Die haben eine mega stabile Vorhand, aber die Mittelhand ist völlig instabil, und die Hinterhand weiß gar nicht, was sie macht. Und das ist jetzt der springende Punkt: Wenn ich jetzt anfange, den Rücken zu stabilisieren oder die Hinterhand zu aktivieren, dann rutschen die so krass auf die Vorhand und stabilisieren sich da so sehr, dass sie gar nicht mehr aus diesem Stabilisieren rauskommen und es überhaupt nicht mehr schaffen, sich vorne anzuheben. Für die ist es ultra schwer, weil die Bewegung häufig am Widerrist abbricht. Sie sind vorne so stabil und so tiefergelegt wie dieser tiefergelegte Sportwagen, dass sie dann nicht mehr rauskommen.

Diesen Fehler musst du unbedingt bedenken. Das ist einer der größten Fehler, die passieren können, wenn du entscheidest, was der größte Hebel für dein Pferd ist, um etwas zu verändern.

Wenn du als größten Hebel beispielsweise sagst, ich möchte als Allererstes die Hinterhand aktivieren, was grundsätzlich eigentlich immer eine gute Wahl ist, aber natürlich aufs Pferd ankommt, oder die Mittelhand, was auch eine ganz gute Wahl ist, aber auch wieder aufs Pferd ankommt, dann können natürlich auch Fehler entstehen. Diese Fehler sind aber ein bisschen leichter wieder zu bearbeiten. Hier brauchst du dir also nicht die größten Sorgen zu machen, wenn Fehler entstehen.

Es kann natürlich passieren, dass du die Bewegung im Rücken zum Beispiel mit einem Pferd vergleichst, das eine ganz andere Bewegung im Rücken hat, und dich daran misst. Das ist sowieso der größte Fehler. Du kannst kein Pferd mit einem anderen vergleichen. Vergleiche dein Pferd immer nur mit deinem Pferd von vor zwei Wochen. Also immer nur das gleiche Pferd vergleichen. Nimm niemals ein anderes Pferd, denn die Bewegung wird sowieso nicht dieselbe werden.

Bei der Bewegung der Mittelhand kann außerdem häufig passieren, dass das Wort Schwung falsch interpretiert wird. Dass gesagt wird: „Der Rücken muss doch schwingen“, er dann aber instabil ist. Das wäre ein sehr großer Fehler. Wir wollen keinen instabilen Rücken, ganz, ganz wichtiger Punkt. Und dann können eben Fehler entstehen, weil der Abbruch der Bewegung nicht erkannt wird. Das ist ganz, ganz wichtig, das nicht zu übersehen.

Auch bei der Hinterhand können natürlich Fehler entstehen, und das sind Dinge, die sehr fatal sind, weil sie teilweise sehr schwierig zu erkennen sind. Viele Menschen sagen ja immer: „Oh, der tritt so weit unter. Das ist ja so toll, der hat so eine gesunde Bewegung, das kann ja nur gut sein.“ Nein, Untertreten heißt nicht immer, dass es gesund ist. Es gibt Pferde, die extra weit untertreten, das aber auf so eine ungesunde Art und Weise machen, dass du irgendwann eine Überbelastung im Pferd hast oder, je nachdem, eine Verspannung in der Lende. Und das ist ganz, ganz wichtig zu unterscheiden. Dein Pferd soll nicht untertreten, wenn es die Hankenbeugung noch nicht gesund gelernt hat.

Und dein Pferd soll den Schub nicht in die falsche Richtung schieben. Schub ist nichts Schlechtes. Schub ist etwas, das wir immer als Grundlage brauchen, um uns vorwärts zu bewegen. Den Schub soll das Pferd von hinten immer nach oben schieben und nicht nach unten. Es gibt viele Pferde, die den Schub von hinten direkt runterschieben. Also nach vorne, aber runter. Und das wollen wir auf keinen Fall. Das ist so, so wichtig zu erkennen.

Natürlich gibt es noch viele, viele andere Fehler. Dafür bräuchte ich aber wahrscheinlich eher einen Videopodcast. Ich glaube, wir müssen einen Videopodcast machen. Ich überlege mir das noch mal. Das ist echt schwer zu erklären, wenn ich keine Bilder und Videos zur Verfügung habe. Aber gut, so ist es jetzt hier.

Das heißt: Du nimmst den größten Hebel in deinem Pferd, veränderst da die Bewegung und machst sie gesünder. Im besten Fall verändert sich noch viel, viel mehr, weil das ja der größte Hebel ist. Und dadurch kreierst du Losgelassenheit in deinem Pferd.

Und denk daran: Wenn du eine neue Übung forderst, musst du mit der gesunden Bewegung quasi wieder ganz bei null anfangen. Das muss dein Pferd erst einmal wieder lernen. Erinnere dich immer wieder an den Marathonläufer, der die 10 Kilometer easy peasy laufen kann, weil er schon 42 gelaufen ist. Beim Pferd ist das genau dasselbe. Du kannst dein Pferd in Losgelassenheit reiten, wenn es die Bewegungskompetenz für alles hat, was du machst. Ob es geradeaus ist, ob es die Wendung ist, bei den einfachsten Dingen, ob es ein höheres oder niedrigeres Tempo ist, was das Arbeitstempo ist, ob es die Lektion ist, was auch immer es ist. Das ist die Grundlage für Losgelassenheit.

Und jetzt freue ich mich, wenn du mir ein Like dalässt, mir hier folgst oder einen Kommentar dalässt und mir irgendwas zu dieser Folge schreibst. Ich freue mich mega über deine Fragen, die kann ich hier aufgreifen und in den nächsten Folgen beantworten. Und ich freue mich vor allem auch über dein Feedback. Ganz liebe Grüße, bis bald!

Cover Folge 3: Entspannung ist kein Training

Folge 3 · 16:44 Min · Reiten ist Sport

Entspannung ist kein Training

Warum dein Pferd positive Spannung braucht

Entspannung ist also genauso wenig das Trainingsziel wie Losgelassenheit.
  • Beide Extreme sind nicht gut, so wie sonst in der Welt auch.
  • Eine gesunde Bewegung entsteht nicht, wenn ich entspanne, sondern dann, wenn ich die richtige Spannung erzeuge.
  • Es baut eine positive Körperspannung auf, nutzt die Muskeln, die es für diese Bewegung gerade braucht, und die, die es nicht braucht, lässt es locker.
  • Du baust die Energie in dir selbst auf, wenn du trainierst.
Transkript lesen

Wenn du gerade an einem Punkt bist, an dem du im Pferdetraining merkst, dass dein Pferd dich nicht mehr so gut halten und tragen kann, wenn dein Pferd einfach keine Stabilität aufbaut, wenn es die Bewegung von hinten über den Rücken nach vorne nicht so richtig aufbauen kann, wenn es die Hinterhand nicht aktiviert und irgendwie auf der Vorhand sitzt: Wenn du an diesem Punkt bist, dann habe ich heute einen wichtigen Hinweis für dich. Denn ganz häufig liegt es daran, dass die Pferde zu wenig Körperspannung aufbauen, um sich selbst und auch dich zu tragen.

Und darum geht es. In der Reiterwelt ist ganz häufig eine Gegenbewegung aktiv geworden zu diesem „Wir machen Druck, wir machen Stress, das Pferd muss leisten, das Pferd muss hier und da und da“. Dazu ist eine Gegenbewegung entstanden, die sagt: „Ja, das Pferd muss entspannen, alles ist pro Pferd.“ Und das ist auch ein Extrem. Beide Extreme sind nicht gut, so wie sonst in der Welt auch. Wir brauchen keine Extreme. Wir brauchen den richtigen Weg für unser Pferd. Und darum soll es heute gehen.

Und damit herzlich willkommen zu Dressage Secrets. Ich bin Sinah von FokusGesundesPferd. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge.

Wenn du auf deinem Pferd sitzt, dann trägt dein Pferd ein Gewicht. Und wenn du nicht auf deinem Pferd sitzt, dann trägt dein Pferd sich selbst und muss sich trotzdem tragen. Und das ist so ein wichtiger Punkt. Denn sobald das Pferd das tun muss, macht es Sport. Sobald es dich als extra Gewicht tragen muss, macht es Sport. Und Sport ist immer in einer Anspannung.

Ich nehme ja immer so gerne den Menschen als Beispiel. Stell dir mal vor, du gehst in einen Fitnesskurs, einen Cyclingkurs, keine Ahnung, was du gerne machst. Dein Trainer steht da vorne, und du hast richtig Bock. Gleich geht's los, die Musik läuft schon leise im Hintergrund, und du denkst: Okay, ich habe richtig Bock. Dann sagt dein Trainer: „Okay, jetzt starten wir“, und dann geht's los. Auf einmal ist die Musik total Spannungsmusik, und dein Trainer sagt so: „Okay, jetzt startet mal alle. Und los, jetzt macht mal mehr, los, kommt schon. Ein bisschen könnt ihr noch, oder? Könnt ihr noch?“ Aber ganz lahm. Und du sitzt da drauf und willst gerade so richtig Gas geben, und dein Trainer sagt nur so: „Ja, mach weiter. Gut machst du das.“ Wirklich in dieser Energie.

Das nehme ich so gerne als Beispiel, weil du, egal was du mit deinem Pferd machst, ob du Handarbeit machst oder reitest oder was auch immer, ja der Trainer deines Pferdes bist. Und wenn du dann da bist und sagst: „Los jetzt, komm schon“, ganz ohne Energie, dann überträgst du keine Energie auf das Pferd. Und am Ende denkt sich das Pferd: Okay, ich soll also entspannen. Ich soll hier jetzt nicht losradeln, richtig Sport machen und richtig Gas geben.

Was ist die Konsequenz daraus bei Pferden? Na ja, sie bauen keine Spannung auf und können leichter in eine Instabilität rutschen.

Ein ähnliches Beispiel noch mal mit deinem Pferd, wie es sich auf der Weide bewegt. Stell dir mal dein Pferd auf der Weide vor. Was macht es da, wenn es so richtig Freude hat, wenn es spielt, wenn es tobt, wenn es Lust hat, sich zu bewegen, vielleicht so richtig über die Weide jagt, wenn es mit seinen Kameraden spielt, wenn es richtig Bock hat? Dann hat es eine Spannung. Und das ist die Spannung, die so geil fürs Training ist, weil die Pferde genau die richtige Spannung aufbauen.

Das ist nicht die Spannung, wenn sie vor etwas flüchten. Das wäre wieder eine andere Spannung. Das ist aber auch nicht das, was im Training aufgebaut wird, das ist halt nur ein Zehntel davon vielleicht. Oder je nach Pferd. Kommt natürlich ganz drauf an, wo du gerade stehst und wie du mit deinem Pferd arbeitest.

Aber das möchte ich immer wieder vor Augen führen: Reiten ist Sport. Auch Bodenarbeit ist Sport, Longieren ist Sport, alles, was du mit deinem Pferd machst, ist Sport. Und wenn du dich bewusst dafür entscheidest, dein Pferd in die Entspannung zu bringen, ja, dann ist es aber kein Training, dann ist es Entspannung. Das ist etwas anderes. Das hat einen anderen Sinn und einen anderen Zweck.

Es ist so wichtig, dass dein Pferd weiß: Wenn du da bist und das Training startet, muss es diese Körperspannung aufbauen. Und die wird auch immer besser. Das heißt nicht, dass sich dabei der ganze Pferdekörper verspannt. Nein. Es baut eine positive Körperspannung auf, nutzt die Muskeln, die es für diese Bewegung gerade braucht, und die, die es nicht braucht, lässt es locker. Darum geht es. Genau das ist der Punkt.

Was ich nämlich häufig sehe, ist etwas ganz anderes: dass die Pferde keine Spannung aufbauen, weil sie sich im Training entspannen sollen. Dass sie dadurch eine Instabilität im Rücken aufbauen. Das bedeutet, dass der Rücken quasi durchhängt. Und dann haben wir ein Pferd mit einem durchhängenden Rücken, das vielleicht sogar noch vorhandlastig ist. Und so wird es trainiert. Das ist nicht Sinn der Sache. Wir brauchen unser Pferd nicht in diesem Bewegungsmuster zu trainieren. Wozu? Wozu brauchen wir das?

Dasselbe gilt, wenn wir uns das Thema Losgelassenheit anschauen. Dazu habe ich eine ganze Podcastfolge aufgenommen, Folge Nummer 2. Denn Losgelassenheit bedeutet ja auch nicht, dass das Pferd sich entspannen soll. Das ist nicht dasselbe. Losgelassenheit, jetzt machen wir hier einmal die Kurzversion, ist, dass ein Pferd eine Bewegungskompetenz hat. Ganz wichtig: Es hat schon die Bewegungskompetenz. Und weil es schon weiß, wie diese ganze Bewegung geht, kann es sich jetzt in Losgelassenheit bewegen.

Losgelassenheit bedeutet, eine positive Körperspannung aufzubauen, die für das Pferd aber keine Anstrengung mehr ist. Keine Anstrengung, die in eine Verspannung oder Verkrampfung führt, sondern sie ist einfach da. Einfach so, weil das Pferd weiß, wie diese ganze Bewegung funktioniert, die Muskeln dafür hat, die Ausdauer hat und einfach fähig ist, diese Bewegung umzusetzen.

Und ja, wenn du jetzt ein Pferd hast, das eher gestresst ist, das vor den Hilfen wegläuft, bei dem du das Bein schon gar nicht mehr dranlegen möchtest, weil du weißt, es rennt dann eh weg, dann weiß ich, warum dieser Entspannungsweg vielleicht ein möglicher Weg für dich sein könnte. Oder wenn du ein extrem gestresstes Pferd hast, ein psychisch gestresstes Pferd, oder ein Pferd, das sich total krass aufbaut und bei dem es einfach viel zu viel ist. Ich verstehe dann den Punkt, dass man diese Pferde in die Entspannung bringen will.

Das Problem ist aber: Diese Verspannung kommt von einer ungesunden Bewegung im Pferd. Der Auslöser ist eine ungesunde Bewegung im Pferd, oder es kann natürlich auch ein Trauma sein. Wenn es von einer ungesunden Bewegung kommt, aber auch wenn es von einem Trauma kommt, können wir es durch eine gesunde Bewegung wieder lösen. Aber eine gesunde Bewegung entsteht nicht, wenn ich entspanne, sondern dann, wenn ich die richtige Spannung erzeuge. Wenn ich eine gesunde Bewegung aufbaue.

Ein Beispiel: Meine Kundin hatte genau so ein Pferd, das immer vor den Hilfen weggelaufen ist. Ich übrigens auch, meine Stute Felina ist auch so ein Pferd, das immer vor den Hilfen wegläuft. Aber gehen wir mal auf meine Kundin ein. Sie hat mir erzählt, dass es mit ihrem Pferd im Winter immer die Hölle war zu trainieren. Winter kennen wir alle. Und als wir angefangen haben zusammenzuarbeiten, kam der erste Winter, und nach dem Winter meinte sie: „Sinah, wir hatten noch nie so ein entspanntes Training wie diesen Winter.“

Warum? Weil wir dem Pferd beigebracht haben, wie es diesen Stress aus seinem Körper rauslassen kann. Zum Beispiel durch Bocken, durch Freilaufen, dadurch, dass es sich bewegen darf, obwohl Winter ist. Und wenn du die Möglichkeit dazu hast, kann ich dir nur ans Herz legen, deinem Pferd die Möglichkeit zu geben, seine Energie rauszulassen. Denn dann wandelt es sie in eine schöne, positive Energie um.

Das Schlimmste ist, wenn Pferde sich nicht frei bewegen dürfen. Dann hast du irgendwann auf jeden Fall ein Problem. Denn das ist die Natur des Pferdes: dass es mal bocken kann, dass es weglaufen kann, dass es spielen kann und dass es Platz hat, sich zu bewegen, und nicht nur eine kleine Wiese oder einen kleinen Paddock hat oder wie auch immer.

Das heißt, solche gestressten Pferde können wir in eine positive Körperspannung bringen, wenn wir wissen, wie wir den Stress über Bewegung aus ihrem Körper leiten können. Nicht über Entspannung.

Für dich gilt also: Wenn du so ein gestresstes Pferd hast, schau mal, wie du die Bewegung gestalten kannst, damit dein Pferd den Stress in der Bewegung rauslassen kann. Was kannst du tun, damit der Stress danach raus ist und dein Pferd sich zum Beispiel sichtbar im Rumpf angehoben hat, wirklich Stabilität im Rücken aufgebaut hat oder die Hinterhand aktiviert hat? Wenn du so eine Arbeit mit einem Pferd gemacht hast, siehst du schon, dass es sich mental verändert.

Wenn das Pferd sich wirklich wohl in seinem Körper fühlt, wirkt sich das immer auf die Psyche des Pferdes aus. Dass die Pferde dann auf einmal Stresskrankheiten wie zum Beispiel Koppen nicht mehr haben, oder ganz andere Dinge. Dass es auf einmal in der Herde eine neue Rangordnung einnimmt und höher im Rang ist. Das sind alles positive Auswirkungen des Trainings, weil die Pferde selbstbewusst werden, weil sie glücklicher werden, weil der Körper nicht mehr schmerzt, weil sie eine Körperfunktion gelernt haben und wissen, wie sie ihren Körper korrekt nutzen können, damit sie sich danach besser fühlen. Das ist wie bei uns Menschen auch.

Und natürlich: Wenn wir ein Pferd mit echten Traumata haben, dann müssen wir auch an der Psyche des Pferdes arbeiten. Das ist ganz klar. Und was auch ganz wichtig ist: Dieses Training bedeutet nicht, dass wir extrem Druck machen. Nein, wir bauen in uns Menschen eine Energie auf, die für dieses Pferd gerade notwendig ist und die dieses Pferd auch positiv umwandeln kann.

Ich sage immer: Du baust die Energie in dir selbst auf, wenn du trainierst. Du bist die Sportlerin, du bist der Trainer, du bist die Trainerin. Du bist dieser Fitnesstrainer, der da vorne steht, während die anderen am Cyclen sind, und sagt: „Und jetzt, go, go, go, go, go!“ Das bist du.

Deine Aufgabe ist es zu entscheiden, wie viel Energie du in deinem Körper brauchst, damit das richtige Maß an Energie im Körper deines Pferdes ankommt und sich dann in positive Körperspannung umwandelt. Positive Körperspannung bedeutet ja, dass das Pferd die Hinterhand aktiv hat, dass es über den Rücken geht, wie man so schön sagt, also den Rücken aufwölbt und eine positive Spannung im Rücken aufbauen kann, sodass er nicht absackt, und dass sich die Vorhand anhebt. Dann haben wir ein Pferd in einer positiven Körperspannung. Und deine Aufgabe ist es, das über deine Energie zu leiten. Natürlich musst du dafür mehr Energie aufwenden, als wenn es nur für dich wäre, weil du die Energie ja auch aufs Pferd übertragen musst.

Die Frage ist jetzt natürlich: Wie erkennst du eigentlich, dass dein Pferd zu viel in Entspannung trainiert wird, dass es sich zu viel entspannt? Das muss ja gar nicht an dir liegen. Es kann auch sein, dass dein Pferd grundsätzlich einfach eher ein schläfriger Typ ist. Du erkennst es daran, dass dein Pferd instabil wird.

Instabil heißt meistens, dass das Pferd im Rücken durchhängt, dass der Rücken runterhängt, dass der Rücken nicht aktiv ist. Wir wollen immer, dass du kein Loch hinterm Sattel siehst. Ganz häufig sieht man so eine eingezogene Delle im Lendenbereich direkt hinterm Sattel. Oder man sieht, dass die Hinterhand höher steht und die Vorhand höher steht und es in der Mitte irgendwie abgesackt ist. Das wollen wir nicht.

Was wir wollen, ist, dass der Rücken richtig hochkommt, vor allem in den versammelnden Lektionen, oder dass er mindestens auf einem neutralen Niveau ist. Das kommt natürlich auf das Ausbildungslevel deines Pferdes an und darauf, wie weit dein Pferd schon so arbeiten kann. Das heißt, du analysierst erst: Wie hoch ist der Rücken normalerweise, und wie hoch kann ich ihn bekommen, wenn ich trainiere? Dann weißt du, wann du ein stabiles Pferd hast und vor allem auch, wann du dich draufsetzen kannst. Denn wenn dein Pferd den Rücken einzieht, weil du dich draufsetzt, solltest du dich nicht draufsetzen.

Entspannung ist also genauso wenig das Trainingsziel wie Losgelassenheit. Denn Losgelassenheit entsteht aus einer gesunden Bewegung. Und dieses Wort „Entspannung“ ist einfach das falsche Wort. Wir wollen ein losgelassenes Pferd, und wir bekommen es durch eine gesunde Bewegung. Dadurch bekommen wir auch diese Entspannung, von der alle reden oder die alle trainieren, ganz von alleine, ohne dass wir jemals irgendwelche Massagen oder sonst was machen mussten.

Und apropos Massagen: Wenn du verspannt bist und zum Masseur gehst, wie lange hält die Massage an, sodass du entspannt bist und easy peasy alles cool ist? Maximal 24 Stunden, würde ich sagen, oder? Weil dein Körper es nicht hält.

Eine Verspannung bekommst du wirklich aus deinem Körper, indem du dich begradigst. Indem du dein Becken begradigst, deine ganze Wirbelsäule begradigst. Indem du weißt, wie du das immer wieder selbst machen kannst. Denn natürlich hast du Trigger, die wieder eine Schiefe auslösen, solange dein Körper noch nicht ganz an diesen geraden Zustand gewöhnt ist und deine Muskeln sich noch nicht dahin entwickelt haben. Dass du also immer wieder Übungen machen kannst, um dich immer wieder aufs Neue zu begradigen, und dann im Training weiter Stabilität aufbaust, weiter in die Begradigung gehst, auch in die Dehnung gehst und Muskelkraft aufbaust. Das ist der Schlüssel, um dauerhaft schmerzfrei und ohne Verspannungen zu sein.

Für mich persönlich war das Ashtanga Yoga. Ja, der Name hört sich komisch an, aber es ist eine richtig geile Art, genau das zu kombinieren und nachhaltig sportlich, gerade und gesund zu sein. Und es ist eine sehr anstrengende Yogaart. Also keine entspannte Yogaart, wie du dir nach diesem Podcast vielleicht denken kannst.

Ich freue mich, wenn dir dieser Podcast gefallen hat, wenn du mir ein Like gibst oder ein Follow oder alles zusammen und ihn mit deinen Reitsportfreundinnen teilst. Also bis zum nächsten Mal, liebe Grüße!

Cover Folge 4: Dein Becken schwingt und hört nicht auf

Folge 4 · 16:40 Min

Dein Becken schwingt und hört nicht auf

Was du jetzt tun kannst

Der Startpunkt des synchronen Sitzes ist also immer das Bein.
  • Die meisten Reiterinnen können den Reitersitz nicht lernen, weil ihre Bügel dafür zu kurz sind.
  • Setz dich auf einen Barhocker, damit deine Beine nicht auf den Boden kommen, und lass deine Beine lang runterhängen.
  • Mit einem langen Bein kannst du viel besser mit dem oberen Teil des Unterschenkels treiben und nicht nur mit dem Absatz, der dann hochgezogen wird.
  • Es ist der Prozess, und Fehler gehören dazu.
Zur Reitersitz-Challenge Move That Ass
Transkript lesen

Wir müssen unbedingt reden. Meine Kundin aus meiner Reitersitz-Challenge „Move That Ass“ kam heute zu mir und meinte: „Sinah, ich möchte doch unbedingt, dass mein Becken nicht so mobil ist, aber ich bekomme es einfach nicht hin.“ Sie hat mir Videos geschickt, ich habe reingeguckt, und die Erkenntnis war so geil, die teile ich heute mit dir.

Und damit herzlich willkommen zu Dressage Secrets. Ich bin Sinah von FokusGesundesPferd. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge.

Eine Sache möchte ich direkt vorwegnehmen: Die meisten Reiterinnen können den Reitersitz nicht lernen, weil ihre Bügel dafür zu kurz sind.

Heute ist für mich der 7. November 2026. Und wenn du das hier hörst und es schon mal bei irgendjemand anderem gehört hast, weißt du jetzt: Das kam ursprünglich von mir, und du hast es in dieser Podcastfolge zuallererst gehört. Denn das ist Wissen, das ich noch nie irgendwo da draußen gesehen habe. Und ich will, dass es sich verteilt. Ich will, dass es um die Welt geht, weil es so wichtig ist.

Denn wenn mein Bügel zu kurz ist, kann ich es nicht schaffen, mein Becken gesund, gut und synchron mit meinem Pferd zu bewegen. Es geht einfach nicht. Das Becken kann die Bewegung dann einfach nicht umsetzen. Und genau darum soll es in dieser Podcastfolge gehen.

Ich weiß, du bist Dressurreiterin und hast schon einen langen Bügel. Aber bleib bei mir und hör mir unbedingt weiter zu, denn es gibt auch zu kurze Dressurbügel. Bei ganz, ganz vielen. Ich würde echt sagen, 70 bis 80 Prozent der Reiter haben in der Dressur zu kurze Bügel. Und dann ist es kein Wunder, dass du mit dem Schwingen im Becken nicht aufhören kannst, egal was du tust.

Aber fangen wir erstmal damit an, was der synchrone oder gesunde Reitersitz eigentlich ist. Ein gesunder, guter, synchroner Reitersitz ermöglicht es dem Pferd, sich unter dir gesund zu bewegen. Und um das zu verstehen, müssen wir natürlich auch wissen, was das Pferd braucht, damit es sich gesund bewegen kann.

Jedes Pferd braucht eine aktive Hinterhand, die sich aber auch gesund bewegt. Da gibt es viele, viele Unterschiede zwischen den Pferden. Viele Pferde wissen nicht, wie die Hinterhand gesund bewegt wird, und das müssen wir ihnen auf jeden Fall beibringen. Dann brauchen wir einen aktiven Rücken, der mitarbeiten kann, der nicht instabil ist und nicht runterhängt. Und natürlich brauchen wir eine Vorhand, die sich anheben kann.

Wir sitzen aber ja im Rücken, in der Mittelhand des Pferdes. Und was wir von da aus beeinflussen können, ist erstens, ob die Vorhand sich anheben kann oder nicht, je nachdem, wohin wir die Bewegung leiten, die vom Pferd durch uns durchgeleitet wird. Zweitens, ob das Pferd den Rücken aufwölben kann oder nicht. Und drittens, ob das Pferd die Hinterhand aktivieren kann oder nicht. Wir können also natürlich alles über unseren Sitz beeinflussen. Aber heute reden wir darüber, dass wir wollen, dass der Rücken sich, wie man so schön sagt, aufwölbt. Wir wollen, dass der Rücken aktiv mitarbeitet und dass sich dort auch Muskulatur aufbauen kann, obwohl wir draufsitzen und Last reinbringen. Darum wollen wir uns heute kümmern. Das ist der wichtige Punkt dieser Folge.

Wir haben also ein schwingendes Becken. Und wir wissen jetzt schon, dass das schwingende Becken nicht sinnvoll ist, weil es den ganzen Schwung auf die Vorhand des Pferdes schiebt. Das ist die Grundlage für diese Folge.

Wir wollen dem Pferd jetzt also ermöglichen, dass es den Rücken aufwölben und im Rücken Muskulatur aufbauen kann. Dass es die Mittelhand also verbinden kann, damit sie sich in Stabilität bewegen kann und Hinterhand und Vorhand miteinander verbindet. Und damit das funktioniert, brauchen wir im Becken eine Bewegung, die das ermöglicht. Das Becken muss meinem Pferd ermöglichen, im Rücken hochzukommen.

Und damit mein Becken meinem Pferd das überhaupt ermöglichen kann, brauche ich ein funktionierendes Bein. Warum? Weil die Position meines Beins bestimmt, wohin sich meine Sitzbeinhöcker bewegen, und wie es mir dann möglich ist, meine ganze Körpermitte überhaupt in Stabilität zu bringen und in die richtige Richtung zu bewegen.

Der Startpunkt des synchronen Sitzes ist also immer das Bein. Das heißt: Wenn dir jemand sagt, du sollst an der Mobilität deines Beckens arbeiten, oder an was auch immer denen dann noch alles einfällt: Brauchst du alles nicht, musst du nicht. Solange du sitzen kannst, solange du nicht komplett schief bist, solange du auf dem Pferd reiten und aussitzen kannst und so weiter, bist du an dem Punkt angekommen, an dem du als Nächstes an deinem langen Bein arbeiten solltest.

Wenn du denkst: „Hey, ich habe schon ein langes Bein“, dann hör dir bitte einmal wirklich an, was die Grundvoraussetzung für ein wirklich langes Bein ist, bevor du auf die Idee kommst, diesen Podcast auszumachen. Du weißt, dass du ein langes Bein hast, wenn du den Bügel wirklich nicht mehr länger machen kannst, weil du sonst immer aus dem Steigbügel rausrutschen würdest. Du weißt auch, dass du ein langes Bein hast, wenn du wie die Profis deinen Körper anspannen und die Bewegung einfach nach oben leiten kannst und damit überhaupt keine Probleme hast.

Wenn du aber merkst, dass dein Becken noch zu sehr schwingt, dann liegt das häufig daran, dass das Bein noch nicht in der richtigen Position ist und die Bewegung noch nicht verstanden hat. Es kann natürlich auch andere Gründe haben, dass du ein langes Bein hast und trotzdem noch nicht aus dieser schwingenden Beckenbewegung rauskommst. Das würde hier aber ein bisschen zu weit führen und einfach zu viel Komplexität reinbringen. Das mache ich natürlich in meiner Reitersitz-Challenge „Move That Ass“, wenn du da Interesse hast.

Und eine Sache möchte ich dir noch erzählen, die ist nämlich total interessant, um das zu verstehen. Ich habe letztens mal wieder meinen Reitersitz bei Instagram gepostet, das mache ich ja regelmäßig. In diesem Video sieht man, dass mein Bein extrem lang ist. Man sieht, dass ich mich richtig aufgerichtet bewege. Man sieht aber auch, dass ich mich ein bisschen sehr weit hinten in den Sattel reinschiebe und manchmal mit dem ganzen Körper ein bisschen nach vorne falle. Und das haben manche Menschen so interpretiert, dass ich im Stuhlsitz sitzen würde, ich glaube, das war es. Und das finde ich total interessant.

Denn: Lass dir nichts einreden. Das ist bei mir kein Stuhlsitz, sondern der Weg zum synchronen Sitz. Der Grund, warum ich mich so weit nach hinten geschoben habe, und deswegen erzähle ich es dir, weil dieser Punkt auch für dich irgendwann kommt: Du kannst deinen Sitz mega geil steuern, bist aber so kurz davor, dass du noch irgendwas ändern musst, um wirklich zu verstehen, worum es in der Bewegung geht.

Für mich war das dieser Tag. Der Sitz war an dem Tag total schwer für mich, und als ich mich hinten in den Sattel gesetzt habe, hat mir das das Sitzen erleichtert. Dadurch war mein Sitz nicht perfekt, aber es hat mir den nächsten Schritt ermöglicht: Eine Woche später hatte ich zum ersten Mal wirklich zu 100 Prozent verstanden, wie ich den Sitz zu jeder Sekunde ansteuern kann. Dass ich zu jeder Sekunde synchron mit meinem Pferd sein kann, mich gesund und stabil bewege, den Rücken unter mir aufwölben lassen, die Vorhand anheben und die Hinterhand aktivieren kann. All das habe ich auch erst dieses Jahr, 2026, zum ersten Mal verstanden, weil es so komplex ist. Es ist wirklich nicht einfach, den Sitz zu lernen. Und das möchte ich dir hier auch noch mal mitgeben.

Erstens: Lass dich nicht verwirren von Menschen, die leider keine Ahnung haben und sagen, du hättest jetzt einen Stuhlsitz oder was anderes. Das stimmt nicht. Es ist der Prozess, und Fehler gehören dazu. Und es ist auf keinen Fall ein Stuhlsitz. Der entsteht ja, wenn du die Beine nach vorne drückst und dich zu weit nach hinten lehnst. Aber das passiert nicht einfach, nur weil du einen längeren Steigbügel hast. Nein, das passiert dadurch nicht. Und selbst wenn du einen Stuhlsitz bekommen würdest, wäre das gut. Denn es ist wieder eine Entwicklung im Reitersitz, die wir immer positiv bewerten, weil wir daran wieder arbeiten können. Nichts Schlimmes.

Man sagt ja auch, man drückt dann zu sehr mit dem Oberschenkel. Aber man muss die Bewegung über den Oberschenkel gestalten, das gehört dazu. Es darf einfach nur nicht zu extrem werden. Aber das ist alles nicht so wild. Das kriegen wir alles hin.

Was ich dir also mitgeben möchte: Lass dich nicht von anderen Menschen verwirren. Zweitens: Lass nicht zu, dass Fehler sofort als negativ bewertet werden und du dann wieder einen Schritt zurück machst. Geh durch die Fehler durch, mach weiter und lern von da aus weiter. Und drittens: Der Sitz ist einfach unglaublich schwer zu lernen. Er ist nicht mal eben so gemacht, und er hat auch nichts mit einem mobilen Becken zu tun.

Es ist eine schwierige Reise. Aber weißt du, was das Ding ist? Ein mobiles, mitschwingendes Becken und sich vom Pferd bewegen lassen, das ist die einfache Sitzreise. Das ist das, was alle machen, und es ist einfacher, als sich synchron mit dem Pferd zu bewegen. Deswegen kann ich verstehen, dass so viele denken, das wäre richtig. Es ist aber leider einfach nur die einfache Lösung, die nicht zum Ziel führt.

Der Startpunkt zum Synchronsitz ist also immer das lange Bein. Das Bein, das wirklich aus dem Gelenk raushängt. Dass du es wirklich einfach nur raushängen lässt, ohne irgendwelche Anspannung, quasi einfach nur baumeln lässt.

Du kannst es auch mal selbst ausprobieren. Setz dich auf einen Barhocker, damit deine Beine nicht auf den Boden kommen, und lass deine Beine lang runterhängen. Wenn du jetzt genau das übst, nämlich dich aufzurichten und den Weg nach oben zu bringen, dann geht das relativ, in Anführungszeichen, einfach.

Wenn du jetzt aber deine Beine hochziehst, sodass du quasi ein bisschen kürzere Bügel hast – also nicht irgendwo abstellen, sondern einfach nur ein bisschen hochziehen –, und dich dann gerade nach oben aufrichten und deinem Pferd ermöglichen willst, den Rücken aufzuwölben, dann wirst du merken: Das ist voll schwer. Das ist voll schwer. Warum? Weil du durch das Hochziehen der Beine im Becken abkippst und deine Sitzbeinhöcker leicht nach vorne schiebst. Und wenn du dich von hier aus nach oben bewegen willst, kannst du das nur im Oberkörper und nicht weiter unten.

Wenn du das Bein aber raushängen lässt, kannst du mit einem wirklich geraden, stabilen, aufgerichteten Becken die Bewegung durch deinen ganzen Körper bis nach oben leiten. Dann hast du wirklich von der Ferse ganz unten bis zum Kopf ganz oben einen stabilen Sitz. Und genau das ist das Ziel.

Und genauso kann dein Pferd dann den Rücken aufwölben, wenn du es ihm ermöglichst und den Platz dafür schaffst. Aber nicht, wenn deine Sitzbeinhöcker leicht nach hinten wegkippen und du es dadurch nicht mehr schaffst, dich im Gewicht nach oben anzuheben. Weil die Bewegung dann in diesem Bereich abknickt und du es nicht mehr hinbekommst, die Stabilität aufzubauen. Das ist der springende Punkt, weswegen du immer an dein langes, langes Bein denken solltest und es nie, nie, niemals vergessen darfst.

Du merkst jetzt also: Wenn du einen zu kurzen Bügel hast, treibst du auch sehr viel mit deinem Absatz statt wirklich mit dem oberen Teil deines Unterschenkels. Mit einem langen Bein kannst du viel besser mit dem oberen Teil des Unterschenkels treiben und nicht nur mit dem Absatz, der dann hochgezogen wird. Und das ist der riesengroße Unterschied, der einen Synchronsitz überhaupt erst ermöglicht.

Noch mal eine kleine Side Story von mir: Romeo, mein Pferd, ist ja fast 1,80 Meter groß, und ich bin mini, mini klein, ich bin 1,63 Meter. Okay, nicht mini klein, aber im Gegensatz zu ihm schon. Ein Zwerg im Gegensatz zu ihm. Aber wenn ich draufsitze, sieht man kein bisschen, wie klein ich bin. Weil ich mich im ganzen Körper so lang mache.

Und noch eine wichtige Sache: Dieser super lange Steigbügel ist nichts, was wir für immer haben müssen. Denn wenn du den Sitz verstanden hast und alles präzise einsetzen kannst, kannst du deinen Steigbügel auch wieder minimal höher setzen und schauen, dass du in deine beste Position kommst. Das ist einfach nur ein Lernprozess, den wir jetzt durchgehen.

Und in die andere Richtung: Wenn du dich noch nicht traust, den Steigbügel länger zu machen, dann mach ihn halt nur ein bisschen länger. Jeden Tag ein Loch länger, bis du ein Gefühl dafür entwickelst. Wir müssen das jetzt nicht mega schnell übers Knie brechen. Wir können es auch langsam machen.

Was natürlich als Nächstes passieren kann, und das ist dann der nächste Punkt: Dadurch, dass du angefangen hast, den synchronen Sitz zu lernen, sagst du auf einmal: „Verdammt, jetzt knalle ich meinem Pferd aber total in den Rücken.“ Oder es fühlt sich so an, als wärst du total verspannt und überhaupt nicht mehr beweglich. Das ist okay. Das ist der ganz normale Weg, um den Synchronsitz zu lernen. Das ist okay. Also bitte jetzt nicht wieder alles hinwerfen und sagen, das hat überhaupt nicht funktioniert. Sondern hier gilt es, die nächsten Schritte weiterzugehen. Und die kannst du natürlich mit mir zusammen in meiner Reitersitz-Challenge „Move That Ass“ gehen. Da machen wir genau das.

Das schwingende Becken kommt also oft daher, dass du einfach einen zu kurzen Bügel hast und dein Bein noch nicht korrekt arbeiten kann. Probier also beim nächsten Ritt einfach mal aus, wie es sich anfühlt, die Beinposition zu verlängern, zu verkürzen und in alle Richtungen zu testen. Oder komm einfach in meine Challenge. Da machen wir das alles Schritt für Schritt und total strukturiert, und dann wirst du den Synchronsitz lernen können. Denn wenn ich ihn gelernt habe, kannst du ihn auch lernen. Ich war extrem untalentiert, falls du das schon auf meinen Instagram-Videos gesehen hast. Ich war nicht mega sportlich. Und ja, du kannst es auf jeden Fall auch. Bis bald!

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Ich bin Sinah von FokusGesundesPferd.

In Dressage Secrets spricht Sinah von FokusGesundesPferd über gesunde Bewegungen im Pferdetraining, den Reitersitz und die Synchronität von Pferd und Reiterin. Für Dressurreiterinnen, die im Viereck glänzen wollen, gerade weil ihr Pferd gesund ist.

Denn ein gesundes Pferd ist die Grundlage für Performance in der Dressur.

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